Hallux rigidus – Orthopädietechnische Versorgung

Von Gerd M. Ivanic

Die Arthrose im Großzehengrundgelenk geht mit typischen osteophytären Ausziehungen, vor allem dorsal des Metatarsalköpfchen I einher. Dies führt zusätzlich zur schmerzhaften Bewegungs-Einschränkung in der Dorsalextension zu einem Schuhkonflikt. Durch den steten Schuhdruck kommt es zu Schmerzen und rezidivierenden Entzündungen mit Bursitiden. Aufgabe einer orthopädietechnischen Versorgung muss es nun sein den Schmerz im Großzehen-Grundgelenk zu minimieren und ein normales Gangbild zu ermöglichen. In weiterer Folge sollte versucht werden, die Probleme des Schuhkonfliktes zum Beispiel durch entsprechendes Schuhwerk zu reduzieren.

Röntgen Dorsaler Osteophyt am MTK 1

Dorsaler Osteophyt am MTK 1

Wirkungsweise der Orthopädietechnik (OT)

Durch Verwendung einer Abrollhilfe mit entsprechender Sohlenversteifung soll das Abrollen über das Großzehengrundgelenk ermöglicht werden. Zusätzlich verhilft eine Rolle zu einer Druckverteilung, um schmerzhafte Druckspitzen zu vermeiden. Es gibt drei Möglichkeiten, eine derartige Abrollhilfe zu bauen:

1.) Anbringung an der Schuhaußenseite im Sinne einer aufgebrachten Sohle
2.) In die Schuhsohle (zwischen Laufsohle und Schuh) eingebaut
3.) In Form einer Einlage. Dies hat den Vorteil, dass mehrere Schuhe zu einem „zugerichteten Schuh“ werden. Dies fördert die Compliance der Patienten.

Generell ist zu sagen, dass bei der alleinigen Indikation des Hallux rigidus eine Einlagenversorgung bzw. eine ortho­pädisch zugerichtete Schuhversorgung ausreichend ist. Ein orthopädischer Maßschuh sollte hier eine Ausnahme sein und nur in wirklichen Problemfällen oder in Kombination mit anderen Problemen oder Pathologien verordnet werden.

Alternative Möglichkeiten

Die Verwendung von Holz-Clogs, die aufgrund ihrer Sohlenform ein mehr oder minder schmerzfreies Abrollen bei Hallux rigidus ermöglichen. Auch Schuhe mit harter Sohle, welche eingegangen sind bzw. eine leichte Abrundung haben, helfen bereits die Beschwerden zu minimieren.

Orthopädietechnik (OT)

Der orthopädische zugerichtete Schuh

Die Schuhrolle: Entsprechend der Diagnose gibt es v.a. drei Arten von Rollen: die Zehenrolle, die Ballenrolle und die Mittelfußrolle. Bedacht muss werden, dass derartige Rollen auch weitere Auswirkungen (positive und negative) auf den restlichen Bewegungsapparat haben.

Zehenrolle: erhöhter Kraftaufwand beim Gehen, Schrittverlängerung, Extension im Kniegelenk (von Vorteil bei Beugekontraktur oder bei Muskelschwächen verschiedener Genese zur Standsicherung), bei Negativabsatz das Gefühl des Bergaufgehens.

Ballenrolle: Ballenentlastung mit Verkleinerung des Abrollbereiches, zeitliche Verkürzung des Abrollens, beim Hallux rigidus sollte der Rollenscheitel unter dem MTK I sein (sonst ist der Scheitel eher distal davon).

Mittelfußrolle: Rollenscheitel unter dem Mittelfuß, Verkürzung der Schrittlänge, entlastet Chopart-, Lisfranc-Gelenk und OSG, führt aber zu einer Knieinstabilität bzw. zu einer leichten Gang- bzw. eher zu Standunsicherheit.
Eine zusätzliche Einlagenversorgung im Schuh mit entsprechenden Adaptationen ist in den meisten Fällen sinnvoll.

Die Einlage

Hier empfehlen sich generell langsohlige Einlagen. In leichten Fällen kann schon eine starke Lederdecke über der Einlage, welche bis an die Zehenspitzen reicht, eine Beschwerdelinderung bringen. In den meisten Fällen empfehlen sich hier Einlagen, welche Versteifungselemente im Vorfuß-Mittelfuß-Bereich eingebaut haben. Die Rigidusfeder in ihrer ursprünglichen Form ist aufgrund der z.T. fertigungstechnischen Probleme als obsolet anzusehen.

Foto CarboPlus Einlagenrohling

CarboPlus® Einlagenrohling

Eine sinnvolle Variante in diesem Fall stellt die CarboPlus® -Einlage (Ofa-Rathgeber; zu verordnen über den Bandagist und Orthopädieschuhmacher) dar. Diese hat eine elastische Versteifung aus Karbon eingebaut. Dieser Karbonteil ist tropfenförmig gearbeitet, wobei der schmale Teil unter dem Mittelfuß, der breite unter den Metatarsophalangeal-Gelenken zu liegen kommt, um so den Druck zu verteilen und eine normale Schrittabwicklung zu ermöglichen. Zusätzlich ist dieser Teil in Wellenform vorgearbeitet, so dass ein Ab­rollen erleichtert und unterstützt wird. Es wirkt so der distale Anteil der Einlage wie eine elastische Versteifung, der proximale Korkteil sichert eine gute Fersenfassung mit der Möglichkeit einer Längsgewölbe-Unterstützung mit lateralem Gegenhalt. Der Vorteil einer derartigen Einlage ist die Verwendungsmöglichkeit in verschiedenen Schuhen, was die Compliance der Patienten erhöht. An der Deckung zum Fuß hin sind je nach Indikation unterschiedlichste Materialien möglich.

Conclusio

Mit orthopädietechnischen Maßnahmen können die Symptome eines Hallux rigidus minimiert bis beseitigt werden. Wichtig ist es eine Versorgungskaskade „Einlage – orthopädische Schuhzurichtung – Maßschuh“, einzuhalten, um den Patienten bei Insuffizienz einer Versorgung eine noch hochwertigere anbieten zu können. Die Orthopädietechnik versteht sich als Ergänzung zu den operativen Maßnahmen sowohl in der postoperativen Versorgung direkt nach der Operation als auch nach Abheilung. Eine suffiziente orthopädietechnische Versorgung kann das Operationsergebnis auf Jahre hinaus sichern bzw. die Beschwerden für die Patienten minimieren. Zusätzlich stellt die Orthopädietechnik aber auch oft eine gute Alternative zur Operation dar.

 

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